Diese Anzeige hatte Harry Frommermann im Dezember 1927 aufgegeben, um ein Gesangensemble wie die amerikanischen „Revelers“ zu gründen. Darauf hatten sich rund 70 Männer gemeldet – Arbeitslose, verkrachte Existenzen, Kranke, Krüppel, doch keiner von ihnen konnte singen, bis auf den letzten, der im Chor des Großen Schauspielhauses engagiert war.„Achtung, Selten! Tenor, Bass (Berufssänger nicht über 24), sehr musikalisch, schön klingende Stimmen, für einzig dastehendes Ensemble unter Angabe der täglich verfügbaren Zeit gesucht.“Harry konnte ihn von seinem Traum überzeugen, dass „sein“ Gesangsensemble, für das er bereits 15 Arrangements geschrieben hatte, die Welt erobern würde. Und dieser Robert Biberti brachte Kollegen aus dem Chor mit, ein Pianist wurde auch gefunden, so dass das Sextett im Januar 1928 mit den Proben beginnen konnte. Eine harte Zeit, in der nichts verdient, aber neben den diversen Brotberufen mindestens vier Stunden am Tag probiert wurde. Da mussten oft motivierende Streicheleinheiten verteilt werden. Doch das Repertoire wuchs nur sehr langsam. Ein erstes Vorsingen für das Variéte „Scala“ endete katastrophal, ein zweites Vorsingen Monate später beim gewieften Agenten Bruno Levy, der die beiden Revuekönige Erik Charell und Hermann Haller gegeneinander ausspielen konnte, sicherte ihnen den ersten Auftritt im großen Schauspielhaus mit der phantastischen Abendgage von 120 Reichsmark für alle. Bald stiegen die Gagen und die Anzahl der Auftritte pro Abend. Der Durchbruch für die Comedian Harmonists waren die stets ausverkauften Vorstellungen in Leipzig ab Ende 1929.
Bislang traten die sechs Musiker immer innerhalb eines größeren Revueprogramms auf, ihr Traum waren aber eigene Konzerte. Ihre Popularität wuchs durch Grammophonaufnahmen und zahlreiche Rundfunkauftritte, doch das Risiko einer eigenen Konzerttournee war für die meisten Veranstalter zu groß. Das erste eigene Konzert am 26. Januar 1930 in Leipzig wurde ein grandioser Triumph. Im gleichen Jahr folgte das erste Auslandsgastspiel in Amsterdam und das erste Auftreten in einem Film.
Die sechs Musiker verdienten bald enorme Summen – zwischen 40 000 und 60 000 Reichsmark im Jahr (das sind nach heutigen Verhältnissen ein Brutto-Jahreseinkommen von ca. 750 000 Euro) - , führten ein aufwendiges Leben, fuhren dicke Autos. Schon frühzeitig hatten die Mitglieder des Ensembles einen Vertrag abgeschlossen, der jedem die gleichen Anteile an den Einnahmen sicherte. Rund 150 Auftritte pro Jahr absolvierten die Harmonists. Den Ritterschlag der Kunst erhielt das Sextett mit dem Auftritt vor dem konservativen Musikpublikum in der Berliner Philharmonie kurz vor der Machtergreifung Hitlers. 2700 Zuschauer applaudierten enthusiastisch.
Zunächst schien sich unter dem nazistischen Regime nichts zu ändern. Die Musiker interessierten sich nicht für Politik, glaubten sich aber auch so populär, dass sie keine Repressalien zu fürchten hatten. Aber erste vereinbarte Konzerte wurden abgesagt, weil man keine Juden mehr auf deutschen Bühnen sehen wollte und die Ufa verweigerte ihnen die Teilnahme an Filmaufnahmen. Die bald obligatorische Mitgliedschaft in der Reichsmusikkammer wurde von allen beantragt, aber nach 1934 – Juden durften definitiv nicht mehr Mitglied der Kammer werden, und ohne Mitgliedschaft durfte man nicht auftreten - hoffte man vergebens auf einen positiven Bescheid, auch wenn die Gruppe immerhin gemischt und nicht volljüdisch war. Eine Sondergenehmigung erlaubte es ihnen, eine ausgedehnte Deutschlandtournee noch zu beenden. Das letzte Konzert in der Tonhalle in München behielten alle Akteure in besonderer Erinnerung. Ab dem 1. Mai 1934 war den Comedian Harmonists jeglicher Auftritt auf einer deutschen Bühne versagt, auch im Rundfunk durften die Lieder des Ensemble nicht mehr gespielt werden. Streitigkeiten innerhalb der Gruppe – Arier gegen Nichtarier – nahmen zu. Über Wasser halten konnte sich das Sextett nur mit Auslandsauftritten in Dänemark, USA, Italien und Norwegen. Doch alle hatten Heimweh und kehrten gemeinsam nach Deutschland zurück, wo dreien von ihnen im Februar 1935 nun die Ausübung ihres Berufes untersagt wurde. Kurze Zeit später einigte man sich darauf, aus den beiden Teilen jeweils wieder eine neue Gruppe zu bilden, die musikalisch nur mäßig erfolgreich waren. In der ursprünglichen Zusammensetzung haben die Comedian Harmonists nie wieder musiziert.
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Seit dem Schuljahr 2008/2009 besteht die Zusammenarbeit mit dem Tänzer und Choreographen Ricardo Viviani. In den Workshops mit ihm, die in der Karl Kisters realschule und vielfach auch im Museum Kurhaus Kleve stattdfinden, werden künstlerische Auseinandersetzungen mit und durch Tanz angeregt. Die Kunstwerke aus dem Museum werden durch den Tanz in einer anderen Weise wahrgenommen und mittels des Tanzes werden Eindrücke des Wahrgenommenen dargestellt. Frau Diekhöfer begleitet dieses Projekt, das durch Mittel des NRW-Förderprogramms "Kunst und Schule" unterstützt wird.
rp-online.de | Karl Kisters Realschule Kleve Tanzen macht Schlau!
Rotkäppchen
Little Red Riding Hood - Chapéuzinho Vermelho
Eigentlich heißt sie Sophie. Doch ihren Kosenamen verdankt Rotkäppchen einem roten Mützchen. Es ist ein Geschenk ihrer Großmutter, die allein im Wald lebt. Den lieben langen Tag träumt Rotkäppchen davon, verrückte Dinge zu erleben und zu tanzen – und sie singt für ihr Leben gern. Weniger liebt sie es, ihrer Mutter in der Waldschenke „Zum heiteren Jäger“ auszuhelfen. Als die Jäger an diesem Morgen von der Jagd nach einem gefährlichen Wolf zurückkommen, erzählen sie, dass es Rotkäppchens Großmutter nicht gut gehe. Da lässt es sich Rotkäppchen von ihrer Mutter nicht ausreden, selbst in den Wald zu gehen, um ihr einen Korb voll Kuchen und Wein zu Genesung zu bringen. Schweren Herzens muss die Mutter sie ziehen lassen:
Und du gehst nicht vom rechten Weg ab!Doch das Mädchen liebt die Freiheit. Außerdem wachsen in der Mitte des tiefen dunklen Waldes besonders gute Kräuter für ihre Großmutter… Da begegnet Rotkäppchen dem Wolf. Rotkäppchen hat Angst, aber wirklich Angst einflössend sieht der Wolf eigentlich nicht aus. Er ist aus dem Zoo ausgebrochen und möchte so gefährlich und so frei sein wie der Löwe, der König der Tiere. Rotkäppchen versucht, den Wolf zu überlisten, verrät dabei jedoch, dass sie auf dem Weg zu ihrer Großmutter ist. Er gelingt ihr zu flüchten, doch auch der Wolf macht sich auf zur Großmutter. Er verschlingt sie kurzerhand und legt sich in ihr Bett. Als Rotkäppchen bei der Großmutter ankommt, wundert sie sich über ihr Aussehen:
Großmutter, warum hast du so große Ohren? - Damit ich dich besser hören kann. Und warum hast du so große Augen? - Damit ich dich besser sehen kann. Und warum hast du so große Hände? - Damit ich dich besser packen kann. Und warum hast du so einen großen Mund? - Damit ich dich besser fressen kann!Und der Wolf frisst auch das Rotkäppchen. Zum Glück eilt kurz darauf Rotkäppchens Mutter herbei, gefolgt von den Jägern, die den Wolf aufschneiden und Rotkäppchen und ihre Großmutter befreien. Als die Jäger den Wolf töten wollen, hat Rotkäppchen Mitleid. Sie bittet, den Wolf wieder zuzunähen und ihn zurück in den Zoo zu bringen. Gemeinsam singen sie:
Dann rocken wir den Käfig vom Tag bis in die Nacht. Der Zoo bleibt einfach offen und er wird nie zu gemacht. Und alle Leute stehen bei seinem Käfig an, und sehen, wie der Wolf da drinnen Walzer tanzen kann.
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Hänsel und Gretel, Kinder eines Besenbinderpaares, werden von der Mutter zum Beerensuchen in den Wald geschickt. Sie verirren sich in der Dunkelheit und müssen im Dickicht übernachten. Dort begegnen sie dem Sandmännchen, vierzehn Engeln und einem Taumännchen, die über alle Kinder wachen. Dennoch geraten die beiden schließlich in die Fänge der Knusperhexe. Die Kinder werden gefangen, gemästet und für den Backofen vorbereitet. Doch im letzten Augenblick gelingt es ihnen, die Hexe selbst ins Feuer zu stoßen. Befreit laufen sie den suchenden Eltern in die Arme.
Kaum eine andere deutsche Oper genießt weltweit so große Popularität wie „Hänsel und Gretel“. Eine Bearbeitung des aus Grimms Märchen stammenden Stoffes kombiniert Humperdinck mit den komplexen Entwicklungen von Richard Wagners Musikdramen. Die so entstehende einzigartig romantische Atmosphäre macht den unverwechselbaren Reiz dieser Oper aus.
Während auf der Bühne die Märchenfiguren stehen – Hänsel und Gretel, die Knusperhexe, das Sandmännchen und das Taumännchen –, tönt aus dem Graben das große Orchester Richard Wagners, erklingen Leitmotive und grandiose Zwischenspiele. Eine der anspruchsvollsten und raffiniertesten Partituren des 19. Jahrhunderts macht das Märchen zum Vergnügen nicht nur für Kinder und nicht nur zu Weihnachten.
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Ricardo Viviani wurde in São Paulo, Brasilien geboren. Er studierte Choreographie bei der legendären Bessie Schoenberg, später dann an der Joffrey Ballet School in New York und Biologie und Theaterregie an der Universität von São Paulo und war Stipendiat an verschiedenen Tanzinstituten in Brasilien und den USA. Danach wurde er Solotänzer beim Balé da Cidade de São Paulo, der Manuel Alum Dance Company und am Nationaltheater Weimar. In den Musicals „A Chorus Line“ und „Oh! Calcutta!“ wirkte er als Darsteller am Broadway mit. Als Choreograph brachte er eigene Tanzabende in São Paulo, New York und Köln heraus. Im Bereich Musiktheater choreographierte er u.a. die Operette „Im weißen Rössl“ am Nationaltheater Weimar und am Theater Heilbronn das Musical „The Wild Party“.
Bärbel Stenzenberger, Radoslaw Wielgus - Gegen die Wand - Photo: Kuehle
Sie ist eine junge Frau, deren unbändiger Hunger nach Leben sie in einen Selbstmordversuch treibt. Er, am Leben gescheitert, landet nach dem Versuch, sich ebenfalls das Leben zu nehmen, in der gleichen Klinik. Bei aller Verschiedenheit haben sie eines gemeinsam: Als Deutschtürken sitzen sie zwischen allen Stühlen. So werden Cahit und Sibel zum Paar – zunächst nur zum Schein, denn Sibel will mit einer Scheinehe mit einem Landsmann den engen Moralvorstellungen ihrer Familie entfliehen. Die tatsächliche Annäherung der beiden scheitert, als Cahit im Affekt Sibels Exgeliebten erschlägt. Am Ende beginnen beide, jeder für sich, ein neues Leben an einem neuen Ort.... Gleichzeitig ist „Gegen die Wand“ eine Tanzoper. Die Protagonisten nähern sich einander, können sich doch nicht berühren, und Ricardo Viviani findet für das bizarre Werben dieses seltsamen Liebespaares eine Choreographie, die zum traurigsten und zärtlichsten gehört, das auf einer Bühne je zu sehen gewesen ist. ...
... Glanzvoll und dramaturgissch geschiekt sind die Tanzeinlagen von Ricardo Viviani und Bärbel Stenzenberg, die die Sexszenen subtil, aber unverklemmt - und technisch geradezu akrobatisch - umsetzen. ...
... alle mittleren und kleineren Partien in besten Händen sind ... Herausrangend über den ganzen Abend: Bärbel Stenzenberger und Ricardo Viviani dessen Choreographie geradezu das "tänzerische Psychogramm" Sibels und Cahit zeichnet ...





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